Wir sind heute einen Tag in Rangiora (noerdlich von Christchurch), um etwas Ruhe zu bekommen und um dringende Sachen zu erledigen. Wir koennen hier waschen und unsere mobile phones wieder aufladen und auch mal ins internet, ohne die kostbare Ladung der handies auf’s Spiel zu setzen.
Alle unsere Freunde und Bekannte sind unverletzt davongekommen (zumindest koerperlich), aber es gibt welche, die ihr Haus verloren haben. Wir haben noch kein Strom, aber sie kommen schon naeher mit der Versorgung. Wer weiss, wo wir wohnen, der kann hier nachverfolgen, wie die Stromlage ist: http://www.oriongroup.co.nz/news-and-media/news-and-media-archives/Earthquake-response-news.aspx
Fliessend Wasser haben wir nicht, und das wird wohl noch lange dauern, wenn ich mir die Strassen hier so ansehe, und den Schaden, der unterirdisch entstanden sein muss. Bei uns in der Strasse sind mehrere Fahrzeuge in den entstandenen Loechern und Silt (was ist Silt? Hier kannst Du etwa ueber Liquefaction und Silt erfahren ) steckengeblieben, unter anderem auch ein Bus, der hier normalerweise nicht langfaehrt (siehe Bild, das war am Tag des Erdbebens). Mittlerweile haben sie die Loecher mit Kies gefuellt und die Wagen herausgezogen, sogar der Bus ist weg. Die erste Muellabfuhr ist auch schon durch, das war eine Erleichterung, weil alles moegliche im Muell war. Wir hatten ja noch keine Toilette und noch kein Plumsklo im Hintergarten…
Wer allgemeine Infos ueber den Stand der Dinge, was die Infrastruktur betrifft, wissen will, der geht am besten hier hin: http://eqviewer.co.nz/
Da gibt es alles uebersichtlich auf einer Karte zu sehen. Wo sind Strassen gesperrt. Wo gibt es portaloos (mobile Toiletten), wo wird Wasser bereitgestellt. Wo waren die letzten Nachbeben, wo sind welfare centre oder Einkaufsmoeglichkeiten oder Tankstellen offen. Alles Fragen, ueber die sich sonst keiner Gedanken macht, aber eesentiell wichtig in unserer Situation. Diese Art von Karte gab es nach dem ersten Beben im September letzten Jahres noch nicht, da war es noch schwieriger, an diese Informationen zu kommen.
Zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten ist das Leben auf dramatische Weise zurueck zu den wirklich lebensnotwendigen Dingen zurueckgekehrt. Ich habe mich heute gefreut, eine Toilette benutzen zu koennen, die mit fliessend Wasser betrieben alles weggespuelt hat. Das Wasser zum Trinken kam aus dem Hahn und musste nicht zweimal abgekocht werden. Wenn es dunkel wird, muss man nicht mit Taschenlampen im Haus herumwandern, weil es keinen Strom gibt.
Man nimmt so viele Dinge als selbstverstaendlich hin, aber wenn man so etwas erlebt hat, betrachtet man jeden Tropfen Trinkwasser als etwas Kostbares und schuettet es nicht mehr einfach in den Ausguss. Ich kann jetzt die Erzaehlungen meiner Mutter ueber die Kreigs- und Nachkriegszeiten viel besser verstehen, auch wenn ich mir gewuenscht haette, das ich niemals in diese Lage kommen wuerde.
Aber wir haben noch Glueck gehabt. Unser Haus ist zwar irgendwie verdreht, einige Tueren schliessen nicht mehr richtig, und wir haben ein paar Risse mehr als vorher, aber sonst ist es heil. Der Silt hat vor unserer Haustuer haltgemacht, und wir mussten nur die EInfahrt und auf der Strasse die Schaufel schwingen. Andere hier haben viel mehr verloren, ganz zu schweigen von dem, was in der Innenstadt vor sich geht, nur wenige Kilometer von uns. Ich darf gar nicht daran denken.
Wie wird es weitergehen? Keine Ahnung. Wir schauen von Tag zu Tag, was noetig ist. Naechste Woche geht vielleicht fuer mich die Arbeit wieder weiter. Das Gebauede, in dem ich arbeite, ist als ‘structural save’ gekennzeichnet, das bedeutet, es kann wieder benutzt werden. Aber es sind einige Dinge im Inneren kaputt gegangen, und ich weiss noch nicht, wie lange es dauert, das zu reparieren. Die Deckenverkleidung ist zum Teil heruntergekommen und muss repariert werden. Ob Wasser und Toiletten gehen, keine Ahnung, wir werden aber von der Firmen-Hotline taeglich auf den neuesten Stand gebracht, was die Situation des Arbeitsplatzes betrifft.
Die Kinder gehen die naechsten zwei Wochen (mindestens) nicht zur Schule. Wie die Schaeden dort aussehen, weiss ich auch nicht genau, wird sich noch zeigen. Grundsaetzlich steht die Schule noch.
Das war es erstmal fuer heute, ich werde den Rest des Tages in der Ruhe hier geniessen, ohne spuerbare Nachbeben, bevor wir wieder zurueck nach Christchurch fahren heute Abend.
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Hallo Frithjof,
vielen Dank für die ausführliche Berichterstattung. Mehr denn je hängt mein Herz an Christchurch. Die Frage ist nur, ob man dort weiterhin leben kann, gerade mit Familie. Habe mich die ganzen Tage über Presse und Trade me auf dem laufenden gehalten. Duniden fragte wegen Transport und Übergabe von Selbstgebackenem usw. Es ist eine große Familie, worauf die Neuseeeländer und Neu-NZ sehr stolz sein können. Wir hier in Europa, speziell in Deutschland, mit unseren “großen Sorgen”, ob zu Guttenberg den Dr.-Titel abgeschrieben oder von Dritten hat schreiben lassen…. Dann Lybien und die Flüchtlinge. Du siehst, wir haben richtige Sorgen in good old Germany. Vielleicht trägt dieses etwas zum Schmunzeln bei. Dir und deiner Familie alles Gute. Wenn ich helfen kann, bitte zögert nicht, es anzunehmen. Hast du was von Ernst gehört? Seine Moa Cottages sind wegen Strommastschäden erwähnt.
Ich würde jederzeit wieder nach Christchurch kommen!!!!!!!
Liebe Grüße
Gisela
@Gisela: Ja, die Sorgen aendern sich, wenn solche Dinge geschehen. In Deutschland wird auch das Neuseeland Beben als eine Nachricht von gestern bald vergessen sein, wenn man nicht persoenliche Beziehungen hierhin hat. So ist das eben.
Von Ernst habe ich nichts gehoert, aber soweit ich weiss, gehoeren ihm die Haeuser nicht, er war der Verwalter. “…jederzeit wieder nach Christchurch kommen…” wuerde ich im Moment relativieren, vielleicht solltet ihr noch etwas warten mit dem wiederkommen. Wer moechte schon in einem Krisengebiet Urlaub machen.
Viele Gruesse nach Deutschland,
Frithjof
Hallo Frithjof,
habe gerade Deinen Artikel gelesen und muss schon wieder weinen.
Wir kennen uns nicht, doch seit dem 22. hat sich ja alles verändert.
Habe an diesem Geburtstag, wollte mir zum Frühstück gerade ein altes Urlaubsvideo meines 60.ten ansehen, als mich das TV mit den schrecklichen Bildern meiner Lieblingsstadt davon abhielt.
Japan hat es viel schlimmer getroffen, doch:
Ich habe mein Herz im August 2000 (nicht in Heidelberg) sondern in Christchurch verloren.
Schade das ich keine Millionen spenden konnte, leider bleiben mir von meiner Rente nur wenige € im Monat
dafür übrig.
Hoffentlich wird es gut verwendet, habe an die Botschaft in Berlin gemailt, die mir ein Konto mitteilte.
Eigentlich wollte ich 2013 meinen 70ten wieder in NZ feiern, doch darauf werde ich verzichten, das Geld besser anlegen.
Kennst Du in Deiner Umgebung eine Frau mit Kind/ern, die bei dem Erdbeben vielleicht ihren Mann verloren hat und jetzt finanziell nicht so gut dasteht?
Spenden an eine caritative Organisation sind immer so abstrakt, man weiß nicht wofür das Geld verwendet wird. Versteh mich nicht falsch, DANKESCHÖN brauche ich nicht, aber einer Familie DIREKT zu helfen wäre
mir sehr lieb.
Du hast mit Deinen Angehörigen das Desaster einigermaßen gut überstanden, na ja früher ging man in den Wald, benutzte Gras statt Klopapier — so ändern sich die Zeiten.
Ich wünsche Dir und allen Bürgern von CH alles alles Gute, ihr seid alle so tapfer.
Viele liebe Grüße eines Neuseeland-Fan´s
von Mallorca, 68 Jahre.
Vielleicht schickst Du mal eine Mail?
Hallo Frithjof,
habe gerade Deinen Artikel gelesen und muss schon wieder weinen.
Wir kennen uns nicht, doch seit dem 22. hat sich ja alles verändert.
Habe an diesem TAG Geburtstag, wollte mir zum Frühstück gerade ein altes Urlaubsvideo meines 60.ten ansehen, als mich das TV mit den schrecklichen Bildern meiner Lieblingsstadt davon abhielt.
Japan hat es viel schlimmer getroffen, doch:
Ich habe mein Herz im August 2000 (nicht in Heidelberg) sondern in Christchurch verloren.
Schade das ich keine Millionen spenden konnte, leider bleiben mir von meiner Rente nur wenige € im Monat
dafür übrig.
Hoffentlich wird es gut verwendet, habe an die Botschaft in Berlin gemailt, die mir ein Konto mitteilte.
Eigentlich wollte ich 2013 meinen 70ten wieder in NZ feiern, doch darauf werde ich verzichten, das Geld besser anlegen.
Kennst Du in Deiner Umgebung eine Frau mit Kind/ern, die bei dem Erdbeben vielleicht ihren Mann verloren hat und jetzt finanziell nicht so gut dasteht?
Spenden an eine caritative Organisation sind immer so abstrakt, man weiß nicht wofür das Geld verwendet wird. Versteh mich nicht falsch, DANKESCHÖN brauche ich nicht, aber einer Familie DIREKT zu helfen wäre
mir sehr lieb.
Du hast mit Deinen Angehörigen das Desaster einigermaßen gut überstanden, na ja früher ging man in den Wald, benutzte Gras statt Klopapier — so ändern sich die Zeiten.
Ich wünsche Dir und allen Bürgern von CH alles alles Gute, ihr seid alle so tapfer.
Viele liebe Grüße eines Neuseeland-Fan´s
von Mallorca, 68 Jahre.
Vielleicht schickst Du mal eine Mail?
Würde gern Foto einfügen, habe aber keine Ahnung WIE
TSCHÜSS