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Christchurch Erdbeben vom Februar 2011 - Update drei Monate danach

Noch 10 Tage, dann ist es genau 3 Monate her, seit das zweite grosse Erdbeben Christchurch erschuettert hat.In dieser Zeit hat sich viel getan.

Das ganze Ausmass der Zerstoerung ist sichtbar geworden, und mit jedem abgerissenen Haus entsteht eine Bauluecke mehr. Es gibt jetzt Bilder von der Innenstadt zu sehen, jede Strasse der RedZone (gesperrte Innenstadt) wurde mit einem Kamerawagen (aehnlich der Google Maps Erfassungsfahrzeuge) abgefahren, und jeder mit Internetzugriff kann jetzt virtuell in die RedZone “fahren”.
Viele Haeuser, die dort noch zu sehen sind (die Bilder sind vom 8. April), werden abgerissen werden. Es wird Platz geben, der Innenstadt Christchurchs ein neues Gesicht zu verleihen. Im Moment werden Meinungen gesammelt, um einen Konsens zu finden, wie das denn aussehen soll, z.B. hier: Share an Idea.
Ich bin gespannt, wie es hier in 2-3 Jahren aussehen wird. An die Ruinen habe ich mich schon zu einem Teil gewoehnt, man stumpft schon etwas ab, wenn man jeden Tag die Haeuserfronten sieht, die den Einblick in die Eingeweide erlauben und noch nicht abgerissen worden sind. Es ist ein Teil der neuen ‘Normalitaet’.

Es geht aber Schritt fuer Schritt aufwaerts, in den letzten Tagen sind die ersten Bereiche der Chemietoilettenzone wieder aufgehoben worden, die Leute dort koennen jetzt wieder die normale Toilette benutzen. Wir gehoeren zwar noch nicht dazu, aber ich rechne damit, dass es nicht mehr lange dauern wird.
Unsere Strasse wurde die letzten Tage auch bearbeitet, und auch wenn noch keine neue Asphaltdecke da ist, man kann zumindest wieder langfahren, ohne die Belastungsgrenze der Fahrzeugfederung auf die Probe zu stellen.
Das Wasser ist noch gechlort und wird es wohl auch fuer die naechsten Monaten bleiben. Wir haben ein Filtergeraet, dann stoert der Chlorgeruch nicht mehr.
Der morgendliche Stau auf dem Weg zur Arbeit ist zwar noch da, aber ich habe das Gefuehl, es wird langsam besser. Die Strassen werden nach und nach ausgebessert, man kann auf mehr Strecken wieder 50 fahren, das hilft natuerlich dem Verkehrsfluss. Die Leute haben sich andere Ausweichrouten zurechtgelegt. Aber es wird wohl ein dauerhaftes Problem sein mit dem Verkehr, dass irgendwie geloest werden muss. Viele Betriebe aus der Innenstadt haben sich jetzt in den westlichen Stadtteilen angesiedelt und die Leute muessen jetzt alle nach Westen und nicht mehr in die Stadtmitte. Morgens hin, abends zurueck. Die vorhandenen Verkehrswege sind darauf nicht ausgerichtet. Bin gespannt, wie sie das loesen wollen.

Langsam wird auch sichtbar, welche Abhaengigkeiten bestehen. Mal als Beispiel der Immobilienmarkt. Die oestlichen Stadtteile sind praktisch tot fuer den Immobilienmarkt, es gibt kaum Kaeufe und Verkaeufe. Die Immobilienmakler dort muessen sich andere Beschaeftigung suchen. Die hohen Schadenssummen fuer die Versicherungen haben schon die groesste Hausversicherung fuer den Bereich Christchurch, die AMI, an den Rand der Insolvenz getrieben. Die Rueckversicherer sind auch schwer belastet, unter anderem auch durch andere Naturkatastrophen in Japan und Australien, und bitten jetzt die Versicherungen mit drastisch gestiegenen Policen zur Kasse. Das wird dann an den Endkunden weitergegeben, und ich rechne in naher Zukunft mit sehr viel hoeheren Hausversicherungskosten hier in Christchurch. Viele werden sich dann ein neues Haeuschen in Christchurch nicht mehr leisten koennen. Es wird weitere Abwanderungen geben, nicht nur durch die Immobiliensituation, auch durch den Arbeitsmarkt. Die Bevoelkerungsstruktur wird sich aendern. Die gehobene Mittelschicht mit Verpflichtungen in Christchurch wird es ueberleben, juengere, ohne Familie und mit niedrigem Einkommen, wird es vielleicht in andere Teile des Landes ziehen, wo sie vielleicht leichter Arbeit finden koennen und ein Haus bezahlen koennen.
Ist alles nur eine Vermutung, aber es wird Aenderungen in Bereichen geben, die jetzt noch keiner so recht auf dem Schirm hat, weil die Abhaengigkeiten nicht so klar sind.

Was ist mit den Nachbeben?

Die Frage ist mit einem einfachen Blick auf die Statistik zu beantworten, hier eine Grafik fuer die letzte Woche und eine Uebersicht ueber alle Nachbeben seit September letzten Jahres:
[Quelle: http://quake.crowe.co.nz/]


Aktueller Zaehlerstand, Anzahl der Nachbeben: 5524 (12.5.2011)


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1 comment to Christchurch Erdbeben vom Februar 2011 – Update drei Monate danach

  • Traurig, aber auch beeindruckend – das Leben geht eben wirklich immer irgendwie weiter, hm? Wie sind denn eure Pläne, Frithjof, bleibt ihr Christchurch trotz allem treu? Was sagen andere Einwohner, gibt es nennenswerte Abwanderung und wenn ja, wohin? Ich bin ja gespannt, was wir Touristen in einigen Jahren für eine Stadt vorfinden werden (falls wir jemals wieder eine Reise zu euch finanzieren können :-( )
    Mit ganz lieben Grüßen aus dem frühsommerlichen Deutschland (ätsch)
    Jenny

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