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Christchurch Erdbeben - Das Leben nach den Beben - Update

Es gibt immer noch viel Informationsbedarf in Deutschland nach dem aktuellen Stand in Christchurch. Viele fragen sich, ob sie überhaupt nach Neuseeland kommen sollten, oder ob sie nur Christchurch auslassen können oder ob sie auch einfach wieder nach Christchurch können.

Ich beschreibe einfach mal die Lage hier in Christchurch in Stichworten, so wie sie ganz persönlich für mich aussieht, und wie ich die nächsten Monate und Jahre einschätze.

Flughafen/Strassen/Verkehr

Die Infrastruktur ist in weiten Teilen beschädigt. 50% der Strassen haben Schäden, manche sind komplett sanierungsbedürftig, bei manchen sind vielleicht nur ein paar Bodenwellen, die ausgebessert werden müssen. Häufig sind Zugänge zur Kanalisation angehoben, man muss seine Augen offen haben, weil nicht immer die Stellen so kenntlich gemacht worden sind wie hier: 

Es wird geschätzt, dass es noch etwa zwei Monate dauern wird, bis die Strassen zumindest wieder sicher sind (also notdürftig repariert). Es sind 38000 Stellen identifiziert worden, die repariert werden müssen…

Der Flughafen hat es gut überstanden, die waren schon am Tag nach dem Beben wieder voll einsatzbereit, von daher gibt es keine Einschränkungen.

Der Verkehr ist zu Hauptverkehrszeiten chaotisch, der öffentliche Nahverkehr findet nur eingeschränkt statt, es müssen neue Routen ausgearbeitet werden, um den veränderten Verkehrsströmen gerecht zu werden (Routen zur Zeit). Hier eine Karte der Strassensperrungen und dem Sperrgebiet in der Innenstadt (eingeteilt nach Zonen, die nach und nach dann aufgehoben werden) : http://eqviewer.co.nz/index-roadclosures.html

An einigen Stellen wurde die Verkehrsführung geändert, um den Durchfluß zu erhöhen. Das verursacht am Anfang noch mehr Chaos, weil die Leute (wieder mal) neue Routen ausfindich machen müssen.

Der gesamte Osten der Stadt ist eigentlich eine einzige 30 Zone geworden, zum Schutz der ramponierten Strassen und zum Schutz der Anwohner, die ansonsten in einer ständigen Staubwolke leben. Die noch überall herumfliegenden Reste des Silts sind trocken zum Bestandteil der Luft geworden (bei Wind sind Staubschutzmasken empfehlenswert), oder werden von den Fahrzeugen hochgewirbelt.

Die kaputten Strassen sind an vielen Stellen nur notdürftig mit Kieß geflickt, damit man nicht in die Löcher fällt oder fährt.

Der Bahnverkehr hat keine Einschränkungen, soweit ich weiß, aber der ist sowieso nur untergeordnet, es gibt ja kaum Bahnstrecken und Zugverkehr.

Unterkünfte

Viele Hotels in der Innenstadt sind zerstört oder müssen abgerissen werden (wie zum Beispiel das historische Carlton Hotel oder das Grand Chancellor) oder sind nicht zugänglich, weil sie in der roten Zone (no-go Bereich) liegen. Die reduzierten Übernachtungsmöglichkeiten waren auch ein Grund dafür, dass Christchurch seine Spiele bei der kommenden Rugby Weltmeisterschaft (Rugby World Cup) verloren hat. Wer zur Zeit in Christchurch übernachten muß, der sollte sich eher im Westen der Stadt umsehen, dort hat das Beben weniger Schaden angerichtet.

Sehenswürdigkeiten/Freizeitmöglichkeiten

Hier ist das Angebot sehr eingeschränkt. Viele Schwimmbäder und Sportstätten sind auf unbestimmte Zeit geschlossen. Hier ein paar Bilder vom QE2 Sportpark, der noch vor ein paar Wochen Austragungsort der IPC Paralympics Leichtathletikmeisterschaften war:

 

 

 

 

 

 

 

 

Kinos sind (fast) alle geschlossen, Kneipen in der Innenstadt unzugänglich (zeitweise oder für immer). Die Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen, die nicht im abgesperrten Bereich liegen, versuchen nun alle, so schnell es geht, wieder auf die Beine zu kommen. Das ist extrem schwierig, weil die Touristen aus verständlichen Gründen einen weiten Bogen um Christchurch machen. Am Tourismus hängt eben auch hier eine ganze Menge, und einige Betriebe werden einfach dichtmachen müssen.

Die Strände im Stadtgebiet sollten nicht für Erholung genutzt werden, auf jeden Fall ist der direkte Kontakt mit dem Wasser nicht zu empfehlen, weil Teile des Abwassers (wegen der eingeschränkten Kapazität des Klärwwerks) einfach in die Flüsse und in das Meer geleitet werden.

Einkaufsmöglichkeiten/Versorgungslage

Die täglichen Besorgungen können erledigt werden, aber manche müssen weiter fahren als sonst, da ein paar große Shopping-Malls stark beschädigt sind und noch einige Monate Reparaturarbeiten benötigen. Vor allem ‘The Palms’ und die ‘Eastgate’ Shopping-Malls schmerzen hier durch die Ausfälle. Aber man bekommt alles Nötige, die Versorgungslage ist gut, soweit ich das sehen kann. Unser lokaler Supermarkt hat schon wieder die normalen Öffnungszeiten 7-24 Uhr und ein fast normales Warenangebot.

Die Einzelhändler in der Innenstadt fehlen natürlich, viele kleine Geschäfte hat es arg getroffen, und es bleibt abzuwarten, welche nach der Freigabe der Innenstadt überhaupt noch stehen oder wieder eröffnet werden können. Das reißt ein großes Loch in die Vielfältigkeit des Warenangebots, dass nur sehr langsam wieder gestopft werden wird. Ich rechne mit Jahren.

Nachbeben

Vielfach nachgefragt. Gibt es noch Nachbeben bei Euch? Dazu sei mal ein kurzer Blick auf die Statistik erlaubt (Beben in der Größe > 3.0, letzten 8 Tage):

11.4.: 3,7

10.4.: 3,0; 3,5

9.4.: 3,2; 3,3; 3,1; 3,4

8.4.: 3,4; 3,2; 3,0; 3,6; 3,3; 3,1

7.4.: 3,3; 3,1; 4,0

6.4.: 3,0

5.4.: 3,2; 3,4

4.4.: 3,3; 3,2; 3,1; 3,1; 4,0; 3,3; 3,0

Auch wenn man nicht immer alle spürt, vor allem, wenn man in Bewegung ist, man kann nicht behaupten, die Nachbeben wären jetzt weg. Aber es wird langsam weniger und die Beben werden etwas schwächer. Hier die aktuelle Timeline der Beben, mit Filtermöglichkeit: http://www.geonet.org.nz/canterbury-quakes/timeline.html

Toiletten/Abwasser/fliessend Wasser

Hier gibt es gute und schlechte Nachrichten. Fangen wir mal mit der guten an. Seit dem letzten Wochenende muß das Wasser nicht mehr abgekocht werden zum Trinken, Zähneputzen, für die Haustiere usw. Das ist schon eine Erleichterung. Das Wasser ist in weiten Teilen der Stadt gechlort. Das ist schade, aber notwendig. Christchurch hatte vor den Beben eine ausgezeichnete Wasserqualität, die nur von wenigen Städten der Welt übertroffen wurde. Ich hoffe, das diese Wasserqualität wieder erreicht werden kann, auch wenn es sicherlich einige Monate dauern wird. Und da kommen wir auch schon zu den schlechten Nachrichten. Das Abwassernetz. Die Kanalisation hat stark gelitten, das gesamte Abwassernetz hat durch gebrochene und mit Silt vollgestopfte Rohre nur noch einen Bruchteil der vorherigen Leistungsfähigkeit. Die Kläranlage arbeitet wegen der Schäden nur zu 30%.

Um das Netz zu entlasten und die Bevölkerung in der Zeit der Reparaturen nicht ohne Toiletten zu lassen, sind zig-tausende von Chemietoiletten im östlichen Stadtgebiet verteilt worden (die letzten 7500 werden gerade verteilt). Wir haben eine komfortable aus den Niederlanden erwischt (es gibt keine englische Gebrauchsanleitung, aber eine deutsche!):

Die Bevölkerung nimmt sie nur sehr zögerlich an, weil vielfach die Spülung schon wieder geht und man nicht einsieht, warum man dann die blöde Chemietoilette benutzen soll. Hoffentlich kommt die Rechnung nicht bald für das ganze Stadtgebiet, denn die ebenfalls angeschlagenen Oxidation Ponds (große Klärbeckenflächen) drohen demnächst umzuschlagen, weil der Sauerstoffgehalt zu gering wird. Dann haben wir hier für viele Monate zusätzlich einen hübschen ländlichen Duft in der Stadt als weitere Touristenattraktion.

 

So, das war es erst einmal. Doch etwas länger geworden, als ich erst vorhatte.

Was kann man nun empfehlen für Besucher? Tja, ich weiß nicht. Die Lage ändert sich ständig, und keiner weiß so genau, wielange es dauern wird. Im Moment würde ich als Tourist Christchurch meiden. Die Infrastruktur ist stark angeschlagen, der Verkehr teilweise chaotisch, die Touristenattraktionen nur bedingt zu geniessen, größere Nachbeben nicht auszuschließen.

Aber der Rest von Neuseeland ist so wie immer und kann besucht werden, auch mit Christchurch als Flughafen.

Am Ende des Tages muß jeder selbst entscheiden, ich kann hier nur meine (gefärbte, eingeschränkte) Sichtweise mitteilen, um die Entscheidungsgrundlage zu verbessern.

Und ich bin gespannt, wie Christchurch als Phönix aus der Asche in ein paar Jahren dastehen wird.


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